Andacht der Kirchgemeinde Münchenstein
mit Bildern der gemeinsamen Schottlandreise der Kirchgemeinden Münchenstein und Bretzwil-Lauwil vom 2017
Veröffentlicht auf der Homepage am Sonntag des gemeinsamen Wandergottesdienstes der beiden Kirchgemeinden, 5. Juli 2020

Weg-Segen

Gott segne deinen Weg,

die sicheren und die tastenden Schritte

die einsamen und die begleiteten

die grossen und die kleinen. 


Gott segne deinen Weg

mit Atem über die nächste Biegung hinaus

mit unermüdlicher Hoffnung

die vom Ziel singt, das sie nicht sieht,

mit dem Mut, stehen zu bleiben

und der Kraft, weiter zu gehen.


Gottes Segen umhülle dich auf deinem Weg

wie ein bergendes Zelt

Gottes Segen nähre dich auf deinem Weg

wie das Brot und der Wein

Gottes Segen leuchte dir auf deinem Weg

wie das Feuer in der Nacht


Geh im Segen

und gesegnet bist du Segen

wirst du Segen

bist ein Segen

wohin dich der Weg auch führt.


Katja Süss




Das Osterei - zum Leben befreit

 Das Ei gehört zu den ältesten Symbolen der Menschheit.

Die Schalen müssen das zarte neue Leben hüten, halten und bergen.

Aber das Leben, das sie hüten, ist stärker als sie selbst.

Es kommt der Augenblick,

in dem das Leben von innen her die Schale zerbricht

und der Schale entschlüpft, um sich in Freiheit zu entfalten.

 

Was zerbricht, zerbrechen muss, ist immer nur die Schale;

es gibt kein Zerbrechen, aus dem nicht Leben schlüpft.

Das ist die Botschaft des Ostereis.

 

Ich kann meinen Körper als Schale verstehen,

die im Tod zerbricht, weil sie ihre Aufgabe erfüllt hat

und mich nun freigeben muss für ein höheres Leben.

 

Manche Menschen meinen,

in ihrem tiefen Leid seien sie selbst zerbrochen – ab dann wären sie ja nur Schale!

Vielleicht muss manchmal noch mehr zerbrechen,

bis sich die Substanz des Lebens durchsetzen kann!

Unbekannt


Hymn of Promise (deutsche Übersetzung)

1. In der Zwiebel ist die Blume,
in dem Kern ein Apfelbaum;
in Kokons versteckte Hoffnung:
Schmetterlinge werden bald frei sein.
Und im Schnee und Eis des Winters
wartet der Frühling,
unentdeckt, bis seine Zeit kommt;
etwas, was Gott allein schon sieht.  


2. In jeder Stille ist ein Lied,
sucht nach Wort und Melodie;
in jeder Nacht und Dunkel ist die Dämmerung:
bringt Hoffnung zu dir und mir.
Aus der Vergangenheit kommt die Zukunft;
was sie bringt, ist jetzt Geheimnis;
unentdeckt, bis ihre Zeit kommt;
etwas, was Gott allein schon sieht.  


3. in unserem Ende ist ein Anfang;
unsre Zeit birgt Ewigkeit.
In unserem Zweifel ist auch Glaube,
in unserem Leben steckt Ewigkeit.
In unserem Tod steckt Auferstehung
und zuletzt ein Sieg,
unentdeckt, bis seine Zeit kommt;
etwas, was Gott allein schon sieht.    


 (Natalie Allyn Wakeley Sleeth (USA) 1985 „In the bulb there is a flower“


Morgensegen

von Wilma Klevinghaus


Für jeden Morgen soviel Licht wie nötig ist

für den Schritt aus dem Dunkel-


für jeden Augenblick soviel Liebe wie nötig ist

um glücklich zu sein und zu machen-


für jeden Tag soviel Kraft wie nötig ist

für das, was er fordert -


für jeden Abend soviel Stille wie nötig ist

um in Gelassenheit die Nacht zu erwarten

und das Erwachen danach


DAS SCHENKE DIR GOTT!


CORONA - Reflexion

Man spricht von Selbstbeschränkung:

Nicht mehr nach draussen, auf die Strasse gehen

und körperliche Kontakte meiden.

Ich spreche lieber von «nach Innen gehen»:

Tiefe Herzenskontakte pflegen,

Menschen schreiben,

ihnen zuhören am Telefon und an sie denken...

 

Man spricht von Isolation:

Dem Schutz vor anderen.

Ich spreche von Kon-zentration:

Kon (mit-)-Zentrum, also dem Suchen nach meiner Mitte

und der daraus erwachsenden Verbundenheit mit allem, was lebt.

 

Man spricht von Lock Down:

dem grossen Zuschliessen von Läden, Kinos und Restaurants.

Ich spreche vom inneren Aufschliessen:

für das, was mir im Leben wirklich wesentlich wird.

 

Man spricht von möglicher Ausgangssperre:

dem Zuhause-bleiben-müssen in der Wohnung oder im Haus.

Ich spreche vom Innehalten in der Oase meiner inneren Neuorientierung,

dem bewussten Ruhen und Frieden finden in mir und meinem Hause.

Ja mein Zuhause kann jetzt mein Kloster oder Retreat-Center werden.


Denn: Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich keine Gelegenheit mehr

für äussere Ablenkungen, Einkaufen, Partys oder Unterhaltung.

Diese grosse Stille fordert, ja sie fordert mich und uns alle heraus,

aber sie fördert mich auch heraus: heraus aus einem gewohnten Zustand,

der, wenn ich ehrlich bin, auch nicht immer so gut war für mich.

 

Meine Unruhe oder hastiges Unterwegssein ohne immer zu wissen WOHIN.

Mein oberflächliches und ab und zu rastloses Suchen,

all das wurde jäh gestoppt.

 

Perplex, verängstigt und sorgenvoll empfinde ich mich.

Frustriert, etwas verloren und doch tief dankbar für alle guten Seelen,

die für uns alle so viel tun.

Ja ich empfinde mich in vieler Hinsicht wahrlich unterbrochen...

Jetzt frage ich mich: Was habe ich eigentlich so oft gesucht

in meinem routinemässigen Alltagsleben?

Aus was heraus habe ich so oft gelebt?

Was ist denn überhaupt das Ziel meiner Lebensreise?

Wohin und auf was hin möchte ich leben?

 

Für viele dieser Fragen,

die jetzt, so urplötzlich wie aus der Tiefe

inmitten dieses Unterbruchs in mein Bewusstsein auftauchen,

gibt es noch keine abschliessenden Antworten.

Spannend sind sie allemal.

Aber eines weiss ich mittlerweile:

Die Fragen selbst, für die ich jetzt ganz unerwartet Zeit bekommen habe,

sie schliessen auf . . . nicht die Türen zu Bars, Kinos oder Läden,

aber zu meinem innersten Herzen.

 

Und die sich mir wohl erst langsam erschliessenden Antworten

betrachte ich als kostbare, aufschliessende Seelen-Abenteuer,

als Weg, der wie in langsamen Kreisen

sich behutsam bis zur inneren Mitte hervortastet.

 

Das Bild, das sich mir gerade eröffnet ist das einer Spinne:


Spinnejpg


Sie, die am frühen Morgen ihr Netz konzentrisch baut.

Aus ihrem eigenen Leib, ihrer Mitte nimmt sie das Material für das Netz,

das sie tragen und ernähren wird.

Ja sie nimmt sozusagen aus ihrer Substanz

und jetzt geht es ja auch bei uns wahrlich an die eigene Substanz.

Diese Netz-Substanz gibt ihr nicht nur Halt

nein auch Orientierung für das, was gerade dran ist.

 

An zwei stabilen Ästen verbindend, beginnt sie ihr Netz.

Sie sucht also den Halt aus ihrem Inneren

in der Verbindung zu etwas Grösserem.

Sie macht eine Rückbindung – lateinisch nennt man dies re-ligio.

Sie bindet sich an etwas Grösseres.

 

Sie baut sich an den Hauptästen ihre tragende Grundstruktur.

Sie sucht also zuerst alles, was sie trägt,

was ihr gut tut und was ihr Stabilität gibt.

Daraus baut sie ihre Speichen, die allesamt mittenorientiert sind.

 

Dann geht sie langsam aus ihrer Mitte heraus

und gestaltet behutsam und konzentrisch,

Kreis um Kreis, fast wie in einem Labyrinth ihr Netz.

Immer wieder wächst und bildet sich ihr Werk

aus Kontaktpunkten, die sie fast zärtlich gestaltet.

 

Für mich ein schönes Bild:

zärtliche Kontaktpunkte . . .

Leise, aus der Mitte heraus,

gefüllt mit meiner eigenen Substanz,

das heisst ganz authentisch aus mir heraus . . .

und weiter geht’s zum nächsten Kontaktpunkt  

– nicht starr verhaftend, immer freilassend und ganz elastisch.

 

Die Spinne nimmt von ihrem Wesen,

baut ganz sachte und aus sich heraus,

um sich gleichzeitig ganz an das Tragende,

Grössere und Stabilere der Äste oder Rahmen anzubinden.

 Vielleicht könnte ich und wir jetzt Ähnliches tun.


von Pfarrer Andreas Marti, Lauwil

 

 

Gebet und Segen der Iona-Community in Schottland:

 

Wache, oh Herr, mit jenen, die heute Nacht keine Ruhe finden und weinen,

und betraue deine Engel damit, über jene zu wachen, die schlafen.

Kümmere dich um die Kranken, o Herr Jesus Christus,

schenke den Müden Ruhe,

segne die Sterbenden,

beruhige die Leidenden,

fühle mit den Gequälten,

beschütze die Glücklichen,

und alle um deiner Liebe willen.

 

Möge uns der Gott der Hoffnung mit all der Freude und dem Frieden des Glaubens erfüllen,

dass wir Hoffnung im Überfluss haben durch die Macht der Heiligen Geistes.

Amen